Neue Freunde

Auch wenn es an dieser Stelle vorrangig um die pflanzlichen Mitbewohner unserer Umgebung geht, so hat sich in den letzten Wochen ein „tierisches“ Erlebnis zugetragen, was auch in diesem Kontext Platz findet.

Bereits im Sommer hatten wir außerhalb des Gartens immer wieder einen Schatten durch die Wiese ziehen sehen. Irgendwas zwischen Katze, Marder und Ratte. 😉

Eines Morgens traf ich dann auf die mir völlig neue Gattung, die es sich in unserem Mühlengraben genütlich gemacht hatte – es war eine Nutria-Familie. Überaschend unerschrocken und neugierig dulden die kleinen sogenannten Biberratten seitdem meine Beobachtungen, das Fotografieren und meine Nähe. Im Gegenteil, sie zeigen sich an den für die Ponies bestimmten Möhrenstücke äußerst interessiert und kommen sich ihre Ration mittlerweile abholen.

Erster Kontakt: Baby-Nutria im Sommer 2019

Zunächst waren wir der Meinung, dass es sich bei den friedlichen Tieren um Bisamratten handeln muss, doch viele Merkmale wollten nicht wirklich übereinstimmen. Nach einiger Recherche sind wir uns sicher, dass dies hier Nutrias sind, aus der Familie der Stachelratten, was übrigens weitaus weniger mit den uns bekannten Hausratten zu tun hat, als denn mit Meerschweinchen und Stachelschweinen. Ihre übergroßen hinteren Füße mit den Schwimmhäuten und die weißbehaarten Nasen sind unverkennbar für ihre Art – dazu die sehr auffallenden orange-gelben Zähne.

Diese interessante Tierart, genau wie die Bisam übrigens, ist durch Pelztierzuchten überhaupt nach Europa gelangt – also durch Menschen eingeschleppt. Später galten die Nutrias gar als kulinarische Spezialität. Aber das ist vorbei und nun tummeln sie sich in ganz Eurasien an Seen und Flüssen – Nachfahren der für Pelze in verschiedenen Farben gezüchtete Tiere – von schwarz über goldbraun zu weiß.

Genau wie so viele Pflanzen sich invasiv hier ausbreiten – haben auch diese Tiere sich ihren Lebensraum hier genommen. Jedes Geschöpf will schließlich überleben, wo auch immer der Mensch es gerade hinmanövriert hat. Und dieser sieht es als Plage und bekämpft es, obwohl es seine Achtlosigkeit und Habgier war, die es überhaupt hierher geholt hat.

Auf der einen Seite kämpfen Menschen für den Erhalt von Lebensräumen, Biodiversität und für eine lebbare Zukunft – und auf der anderen Seite bestimmen alleinig Profitgier, politische wie wirtschaftliche Interessen den Umgang mit Tier und Umwelt. Anstatt Kompromisse zu suchen, eskalieren beide Seiten zunehmend und verschärfen die Situation umso mehr.

Ich bin den äußerst niedlichen Wesen sehr dankbar, dass sie wie kleine Mahnmale unser Heim aufgesucht haben und zeigen, dass die Natur sich mal wieder ihren Weg sucht. Auch wenn es nicht ihr eigener ist…

Mehr über Nutrias: https://de.wikipedia.org/wiki/Nutria

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