Fern(seh)gesteuert

Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn man ihm den Einfluss der Medien auf sein Leben nimmt? Scheinbar so frei und überlegt stapfen wir durchs Leben und merken gar nicht, dass schon längst etwas anderes die Steuerung übernommen hat. Die Medien sagen uns, wie wir auszusehen haben, sie diktieren uns, was wir hübsch und was wir hässlich finden, sie informieren uns gerade so gut, dass wir das Gefühl haben, Bescheid zu wissen, sie lassen uns dort zu Wort kommen, wo wir nichts anstellen können. Und wir denken, wir sind frei?!

Selbst wenn man ansatzweise erkennt, wie es läuft, bleibt man Teil dieses Spiels. Würde man dem Diktat gar nicht mehr folgen, wär man sehr schnell isoliert. Keine schöne Alternativen!

Schon Kinder wünschen sich nur das, was ihnen von der feinen Medienwelt ans naive Herz gelegt wird. Man grenzt die Kinder aus, wo die Eltern bewusst oder einfach aus fehlenden Mitteln nicht mitmachen beim fröhlichen Konsum! Allerdings berührt das ja nur die wirtschaftliche Seite, aber es kommt noch schlimmer: Trends zeigen uns auf, welche Art Mann gerade gut aussieht und wer als peinlich angesehen werden darf. Und weiter wird uns gezeigt, wie wir uns zu ernähren haben, was für Sportarten gut für uns sind und wie wir zu sprechen haben. Das fatalste ist doch, dass das wirklich alles genauso auch funktioniert.

Ich denke, in den Medien haben wir unsere neue Religion gefunden – nicht gerade freiwillig und bestimmt keineswegs bewusst, aber eben schleichend werden sie zu unseren Meinungsmachern und somit auch zu einer moralischen Instanz.

Moral wird von Fall zu Fall anders angewandt. Beispielsweise fand ich es äußerst interessant als sich die HIV-Positive deutsche Sängerin, welche sich derzeit vor Gericht befindet wegen wissentlicher Ansteckung einer weiteren Person, Standing Ovations genießt, weil sie bei irgendeiner Veranstaltung raus posaunt positiv zu sein! Hier entscheidet doch kein gesunder Menschenverstand, sondern eine weitere Instanz, da jeder Normaldenkende erbost sein müsste über einen solchen Auftritt vor dem Hintergrund.

Was passiert da mit uns? Es liegt sicher zu einem Großteil an der unwahrscheinlichen Präsenz der Medien in unserem Leben. Der Fernseher schaufelt tonnenweise Müll ins heimische Wohnzimmer, die Presse füttert uns mit sogenannten Informationen und das Internet hat die Grenzen schlussendlich verwischt. Überall suggeriert uns Werbung, was man braucht, auch wenn es bisher gut ohne ging.

Die Politik hat uns enttäuscht, Arbeit gibt es auch nicht mehr genug und das menschliche Miteinander wird doch aufgrund unserer Vielzahl und der unbegrenzten Möglichkeiten zur Kommunikation nur immer verwirrender, also kaufen wir lieber ein, rennen den Trends hinterher und schwimmen mit, da macht man nichts falsch. Menschen, denen dieses moderne und ferngesteuerte Leben nicht möglich ist, sind doch Freaks, haben den Knall nicht gehört oder machen uns sogar Angst! Sicher, macht man sein Gegenprogramm richtig überzeugend, läuft man Gefahr wieder einen neuen Trend zu erzeugen! Wie man es macht, macht man es doch falsch!

 

 

About the author: Belkala

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